04.02.2012
Skandalöses Abstimmungsverhalten im
Haupt- und Finanzausschuss
Der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigte sich im Auftrag der
Gemeindevertretung in den letzten Wochen in mehreren Sitzungen mit dem
Haushaltsplan für 2012. Nach Eingehenden
Beratungen wurde schließlich über eingebrachte Änderungsvorschläge
abgestimmt. Änderungsvorschläge kamen in erster Linie von den
Wählergemeinschaften. Die Vertreter der großen Fraktionen SPD und CDU
hielten sich hier sehr zurück und deren Vertreter enthielten sich bei der
Abstimmung. Der Beschlussvorschlag des Haupt- und Finanzausschusses wurde
nur mit den Stimmen der Wählergemeinschaften beschlossen.
Damit ist dieser Beschluss nichts wert. Die Vertreter von SPD und CDU haben
sich aus wahltaktischen Gründen
zurückgehalten und werden in der Gemeindevertretersitzung
am 29. Februar – also nur 4 Tage vor der Bürgermeisterwahl – mit
Änderungsanträgen aufwarten
und die Beschlusslage wieder auf den Kopf stellen.
Dieses Verhalten ist skandalös. Es entspricht nicht dem Auftrag der
Gemeindevertretung. An
diesem Verhalten kann man erkennen, wie die sogenannten Volksparteien zu den
Wählergemeinschaften stehen und wie man selbst in einer kleinen Gemeinde
wie Villmar miteinander umgeht.
Von den Bürgermeisterkandidaten gibt es auch nicht viel Substanzielles zu
berichten. Man hat wieder
eine Woche verstreichen lassen ohne die Katze aus dem Sack zu lassen. Der
geneigte Wähler ist so uninformiert wie zuvor.
Herr Paul lässt in der NNP verbreiten, dass es für Ihn ein Traum sei,
endlich Bürgermeister von Villmar zu werden. Er wird den Jugendpfleger
wieder installieren und einen Seniorenbeirat einrichten. Bei der Erstellung
der Haushaltspläne sollen die Bürger bei Ihm
stärker eingebunden werden (Bürgerhaushalt). Das Lahn-Marmormuseum
hat er auch noch nicht abgeschrieben. Mit 200.000 € Zuschuss soll das
Museum verwirklicht werden. Nach dem Pressebericht wissen wir es nun alle
offiziell. Er besitzt keine E-Mail Adresse und kein Handy geht davon aus,
dass 80 % aller Handygespräche sowieso überflüssig sind. Als Bürgermeister
will er sich aber mit der neuen Technik anfreunden.
Wertung: Die Schaffung von neuen
Stellen ist mit dem Ziel Schulden abzubauen nicht vereinbar. Die Folgekosten
beim Bau des Museums werden nicht wirklich berücksichtigt. Eine stärkere
Einbindung der Bevölkerung bei der Haushalts-aufstellung bedeute auch mehr
Wünsche, die erfüllt werden müssen.
Herr Behr wird in der NNP als Familienmensch herausgestellt. Er spielt
mit seinen Söhnen Fußball, betreute die Jugend der JSG Lahntal, spielt
Gitarre und kocht auch schon mal für Familie
und Freunde. Mit Freunden bewirtschaftet er im Rheingau einen Weinberg. Als
Bürgermeister will er für ein engeres Zusammenwachsen der Ortsteile
eintreten. Wahlversprechen mag er keine abgeben. Bei allen Projekten, die
zur Beratung anstehen sollen auch die Folgekosten berücksichtigt werden. Er
will weiterhin, wie auch bisher an der jährlichen Tilgung der Schulden in
der Größenordnung von 600.000 € festhalten
Wertung: Der Schuldenabbau von
600.000 € wird ohne Personaleinsparungen und ohne Reduzierung der
Standards nicht zu halten sein. Der Finanzplan der Gemeinde sieht ab 2013
und die folgenden Jahre eine Neuverschuldung von rund einer halben Mio. €
pro Jahr vor. Die Einnahmen der Gemeinde reichen seit mehreren Jahren nicht
aus um die laufenden Ausgaben zu decken. Zur Deckung von Haushaltslücken
wurden in den letzten Jahren 5 Mio. € Zuschüsse für die
EKVO-Kanalsanierung verbraten und die Haushalte der kommenden Jahre werden
schon heute mit Verpflichtungsermächtigungen hoch belastet.
Die beiden Kandidaten aus der SPD Fraktion attackieren einander. Lenz
will den Villmarer Wald verkaufen um mit dem Erlös die Schulden zurückzahlen. Für Aumüller kommt das nicht in
Frage. Lenz rudert zurück; er habe nur das wiedergegeben was der Bürgermeister
im Rathaus gesagt habe. Da werden auch schon mal Leserbriefe in die
Zeitung gesetzt. Ein jeder
hofft, gegen den anderen punkten zu können. Herr Aumüller hat auch wieder
ein Prospekt verteilen lassen.
Inhaltlich nichts Neues. Bezahlbare Grundversorgung, Unterstützung des
Ehrenamts, Spiel und Bolzplätze für die Jugend und Teilhabe der Senioren
am aktiven Leben. Und obendrauf noch ein schnelles Internet. Es lohnt sich
also doch, als Kandidat einer großen Partei ins Rennen zu gehen. Da hat man
einfach die besseren Werbemittel. So was kann sich ein Herr Paul nicht
leisten. Er müsste es aus eigener Tasche bezahlen.
Wertung: Nur substanzloses Gezänk.
Aber man bleibt immerhin im Gespräch. Mit Herrn Lenz werden wir wohl ein
Mehrgenerationenhaus in Aumenau bekommen und der Ortsteil wird im Rahmen der
Ortskernsanierung herausgeputzt. Allerdings können wir uns das eigentlich
gar nicht mehr leisten. Mit Herrn Aumüller bekommen wir immerhin schnelles
Internet. Aber das hätten wir mit den anderen Kandidaten schließlich früher
oder später auch bekommen.
Das ist sicher nicht das, was wir vor der Wahlentscheidung hören
wollen. Alles nur vage Andeutungen – nur nichts Konkretes sagen! Am 29.2.
ist die Sitzung der Gemeinde-vertretung. Da muss die Katze aus dem Sack. Möglicherweise
bekommen dann aber die Wähler vor dem Wahlsonntag gar nicht mehr mit, wie
es ausgegangen ist. Dann wird möglicherweise
der falsche Kandidat gewählt und es geht munter weiter so mit dem Schulden
anhäufen - wie bisher.
Wir sollten uns alle die Kandidaten mal persönlich vorknöpfen. Einfach
anrufen oder auf der Straße ansprechen. Bei spektakulären Antworten sofort
die Villmarer Nachrichten informieren. Dann wissen es sofort alle anderen
auch und keiner kann nach der Wahl sagen:„Wenn ich das gewusst hätte,
dann“
Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Wochenende
Wir hören wieder voneinander
In diesem Sinne
Ihr
Outsider