30.01.2012
Der Haushalt
2012 und die Bürgermeisterkandidaten
Sonntagsreden oder klare Positionen, die mit Zahlen
hinterlegbar sind?
von Jürgen Schmidt
„Dramatisch schlecht“, „finanzielle Situation
besorgniserregend“, „die Gesamtsituation ist beunruhigend“. Dies sind
nur einige Bewertungen, die man in den letzten Wochen von Bürgermeistern im
Kreis Limburg-Weilburg zur Situation ihrer Haushalte in der Presse vernehmen
konnte. Die Haushaltsberatungen für die Haushalte 2012 stehen vor der Tür.
Hier wird mit Millionensummen jongliert und der Bürger hat schon lange
„abgeschaltet“. Dies kann man deutlich erkennen, wenn man den
„Besucherandrang“ bei den immer öffentlichen Sitzungen der Fachausschüsse
der Gemeindevertretungen und bei Gemeindevertretersitzungen beobachtet.
Woran liegt das nun? Wie kann man dies ändern? Haushaltsklarheit
und Haushaltswahrheit im Marktflecken ist eine Forderung der UFBL.
Haushaltsklarheit
an ausgewählten Beispielen
Zur Einordnung der Gesamtsituation enthält die
nachfolgende Tabelle einige Beispiele und schaut über den Zaun des
Marktfleckens hinaus:
|
Jahr 2010
|
Einwohner
|
Schulden
(€)
|
pro
Kopf (€)
|
|
Bad Camberg
|
14.138
|
20.676.000
|
1.462
|
|
Brechen
|
6.674
|
5.037.000
|
755
|
|
Runkel
|
9.737
|
18.020.000
|
1.851
|
|
Selters
|
8.446
|
10.633.000
|
1.259
|
|
Villmar
|
7.126
|
14.732.000
|
2.067
|
|
Jahr 2009
|
|
|
|
|
Kreis Limburg-Weilburg
|
157.305
|
120.098.000
|
763
|
|
Kommunen in Hessen
|
6.062.000
|
9.357.973.000
|
1.544
|
|
Deutschland
|
81.802.000
|
2.071.000.000.000
|
25.317
|
Quelle:
Kommunalkompass des Bund der Steuerzahler e.V., Stand März 2011 (an alle
Gemeindevertreter
verteilt), www.statistik-hessen.de,
www.destatis.de .
Ich glaube diese Zahlen bedürfen keines Kommentars,
schreien aber förmlich nach verantwortungsvollem, politischem und
verwaltungsseitigem Handeln.
Daraus
abgeleitete Haushaltswahrheit
Die Erfahrung lehrt, dass Bemühungen zur
Haushaltskonsolidierung umso erfolgreicher sind, je konkreter die
Sparvorgaben von der Politik bzw. der Verwaltung formuliert und festgesetzt
werden. Allgemein gehaltene Aufforderungen zum Sparen, wie wir sie in
Sonntagsreden immer wieder hören, bringen die Finanzen nicht ins
Gleichgewicht. Im Zuge der Haushaltsberatungen in den Fachausschüssen im
Marktflecken sind Einsparbemühungen bisher nicht festzustellen. Lediglich
die UFBL - im engen Schulterschluss mit den Freien Wählern - hat konkrete
Anträge, die über unkonkrete Sperrvermerke hinausgehen, andiskutiert und
formuliert.
Folgerungen für
den Marktflecken
Im Landkreis Limburg-Weilburg sind schon 3 Kommunen
unter den kommunalen Rettungsschirm bzw. Entschuldungsfond des Landes
getreten bzw. „komplimentiert“ worden. Dieser verlangt als Gegenleistung
(Auflage) einen ausgeglichenen Ergebnishaushalt. Im Klartext: Diese Kommunen
sind „Griechenland in Hessen“.
Soweit soll es im Markflecken nicht kommen. Konkrete
Einsparungen sind aufzuzeigen, zu diskutieren und dem Bürger zu vermitteln,
weil im Marktflecken diese Lücke für den Haushalt 2012 derzeit 1,24 Mio
€, im Gesamtfinanzhaushalt 2,38 Mio. € beträgt.
Die Beratungen in den Fachausschüssen im
Marktflecken zum Haushalt 2012 sind abgeschlossen. Die
Gemeindevertretersitzung am 23.02.2012, aber auch - nur 10 Tage später -
die Bürgermeisterwahl am 04.03.2012, steht vor der Tür. Dies macht die
Sache nicht einfacher, erhöht aber deutlich die Spannung.
Sonntagsreden oder klare Positionen, die mit Zahlen
hinterlegbar sind?
Werden die Bürgermeisterkandidaten zum Haushalt
sprechen, oder die Fraktionsvorsitzenden?
Wer darf eigentlich das Wort
ergreifen?
Aber auch der Bürger ist aufgerufen, Einsparvorschläge
zu machen. Wir werden in den nächsten Tagen unsere Ideen und Vorschläge
veröffentlichen und erläutern.